VfE Mengede e.V.
Erziehungshilfe nach Maß

VfE Mengede e.V.
Erziehungshilfe nach Maß

MuKi Plus

 

 

1. Das Haus und die Räumlichkeiten



Das Muki+ Haus bietet zwei Trainingswohnungen auf zwei Etagen. Die Wohnungen sind als Wohngemeinschaftswohnungen für je zwei alleinerziehende Elternteile mit ihren Kindern ausgelegt. Jede Wohnung hat darüber hinaus zwei bedarfsgerecht eingerichtete Zimmer für Mutter/Vater und Kind, damit sich jede Partei zurückziehen kann. Eine weitere Wohnung für eine Anschlußbetreuung befindet sich in fußläufiger Entfernung des Hauses.

Im Untergeschoss des MUKI+ Hauses befinden sich das Büro und ein Nachtbereitschaftszimmer, ein großer, heller und freundlicher Aufenthaltsraum mit Fernsehen, Sofalandschaft und Spielecke, sowie eine Küche mit großem Esstisch und zentraler Herdinsel für gemeinsames Kochen oder andere Aktivitäten. Von dort gelangt man auf einen kleinen, geschützten Außenbereich.

Gemeinsame Veranstaltungen wie z.B. Krabbelgruppe oder Ähnliches finden im Gruppenraum der Einrichtung statt.

Die Anbindung an den Dortmunder ÖPNV ist hervorragend, der Ortskern Marten mit seiner reichhaltigen Infrastruktur von Einkaufsmöglichkeiten, Ärzten und Kitas ist fußläufig erreichbar

Für gemeinsame Aktivitäten stehen ausreichend Fahrzeuge nach Absprache zur Verfügung.



2. Zielgruppe


Die Maßnahme richtet sich an alleinerziehende Elternteile, die aus verschiedenen Gründen mit der selbständigen Gestaltung einer gemeinsamen Lebensführung mit ihrem Kind überfordert sind.

Die Ausgangslage der Mütter/Väter kann z.B. dadurch gekennzeichnet sein, dass noch keine ausreichend stabile eigene Persönlichkeit vorhanden ist und somit ein Nachreifungsprozess durchlaufen werden sollte.

Weitere Gründe können in einer Lebenskrise liegen, etwa auch eine Trennungskrise oder auch belastende Situationen im sozialen oder familiären Umfeld, welches keine ausreichende Unterstützung gewähren kann.

In vielen Fällen haben die alleinerziehenden Mütter und Väter in ihren eigenen Herkunftsfamilien keine sichere Bindung erfahren. Von der Herkunftsfamilie wurden Kommunikationsstrukturen und Verhaltensmuster übernommen, die die Reifung, Sozialisation und gesellschaftliche Integration erschweren.

Oftmals kommt bei der Zielgruppe hinzu, dass wichtige soziale Kompetenzen und Alltagskompetenzen, wie etwa hauswirtschaftliche Fähigkeiten, die für die Kinderversorgung wichtig sind, fehlen.

Die Aufnahme setzt voraus, dass die Klienten die Bereitschaft zeigen, an ihrer selbständigen Lebensplanung und dem gemeinsamen Zusammenleben mit ihrem Kind zu arbeiten und die Unterstützung durch die pädagogischen Fachkräfte im Muki+ anzunehmen. Im Zuge der Erstellung eines Hilfeplanes kommt es zu einer differenzierten Ermittlung des Begleitungs- und Betreuungsbedarfs, der das Einverständnis der Klienten voraussetzt.

Weiterhin müssen Mütter/Väter, die für einen Aufenthalt in unserer Einrichtung in Frage kommen, als wesentliche Voraussetzung die Bereitschaft zeigen, mit ihrem Kind zusammen leben zu wollen, bei Schwangeren mit dem ungeborenen Kind ein gemeinsames Leben aufbauen zu wollen, sowie mit dem pädagogischen Personal der Einrichtung an diesem Entwicklungsprozess gemeinsam zu arbeiten und sich den Anforderungen mit Unterstützung zu stellen.

In einem differenzierten Aufnahmeverfahren soll mit allen am Hilfeprozeß Beteiligten der erforderliche Betreuungsumfang ermittelt und festgestellt werden, um ein Optimum an Hilfe gewährleisten und installieren zu können. Dazu gehören ein ausführliches Gespräch mit dem zuständigen Jugendamt bezüglich des Grundes der stationären Unterbringung und Vorgeschichte der Mutter/des Vaters, ein Vorstellungstermin in der Einrichtung mit der betroffenen Mutter/Vater und ihrem/ihren Kind und dem zuständigen Jugendamt, sowie die Entscheidung über die Aufnahme der Mutter/des Vaters durch die Einrichtung.




3. Kontraindikation:


In folgenden Fällen ist die Maßnahme kontraindiziert.

  • Bei fehlender Mitwirkungsbereitschaft

  • Wenn ein hohes Maß an Eigen-, Suizid- und Fremdgefährdung besteht

  • Bei schwerwiegenden psychischen Störungen

In diesen Fällen verweisen wir an andere Facheinrichtungen.





4. Rechtliche Grundlagen


Die gesetzliche Grundlage bildet die Hilfe gemäß §19 SGB VIII: Gemeinsame Wohnformen für Mütter/Väter und Kinder.













5. Zielsetzungen von Muki+


Im Folgenden werden einige Ziele der sozialpädagogische Begleitung und Betreuung im Muki+ genannt:

Die Mütter/Väter sollen eine tragfähige Beziehung zu ihrem Kind aufbauen und sich über die Bedeutung ihrer Elternrolle für die Entwicklung des Kindes bewusst werden. Die Klienten lernen, einen Erziehungsstil zu praktizieren, der für das Kind förderlich ist. Dies kann nur gelingen, wenn die Mütter/Väter selbst eine stabile Persönlichkeit entwickeln, womit ein weiteres zentrales Ziel unserer sozialpädagogischen Begleitung bezeichnet ist. Von der Herkunftsfamilie übernommene Kommunikationsstrukturen und Verhaltensmuster sollen so verändert werden, dass die Klienten Selbstständigkeit erlernen, sich besser in eine soziale Umgebung integrieren und eine gute, von Grundvertrauen geprägte Beziehung zu ihrem Kind aufbauen können.

Ein weiteres wichtiges Ziel stellt die Erarbeitung einer beruflichen Perspektive für die Mütter/Väter dar. Angestrebt wird nämlich auch die Verselbständigung im Sinne einer eigenständigen Lebensführung gemeinsam mit dem Kind, was auch das Erwirtschaften eines Einkommens und berufliche Zufriedenheit umfasst.

Die jeweils konkreten Ziele für die einzelnen Klienten werden im Hilfeplanprozess definiert, überprüft und gegebenenfalls modifiziert.

Der Hilfeplanprozess erfolgt methodisch in vier Schritten und findet durchgängig unter Beteiligung der Klienten statt:


1. Bestimmung der relevanten Zielbereiche im Rahmen von Hilfeplanung (z.B. Zielbereiche „Verbesserung des Erziehungsverhaltens“, „Lösungen familiärer Probleme“)


2. Bestimmung der Einzelziele/Meilensteine im Zusammenhang mit dem Gesamtziel


3. Konkretisierung der Ziele (z.B. Zielbereich „Verbesserung des Erziehungsverhaltens“, Konkretisierung: Mutter kann das Gleichgewicht zwischen Fürsorge und Grenzziehung dem Kind gegenüber halten, oder: Zielbereich Verankerung im Sozialraum: Vater geht einmal die Woche einer ehrenamtlichen Aktivität nach, Vater nimmt einmal die Woche an einer Vater-Kind-Gruppe teil)

 

4. Überprüfung der Zielerreichung und Auswertung, wenn nötig, Anpassung und Modifikation der Ziele

Zum Ende der Betreuung wird gemeinsam für die Mütter/Väter/Kinder eine geeignete Wohnung gesucht, die sie nach Beendigung der Maßnahme gemäß §19 SGB VIII beziehen können.

Wenn nötig und im Hilfeplan festgelegt, können Mütter/Väter/Kinder im Anschluss weiter durch das Fachteam der „mobilen Dienste“ des VfE Mengede in Form von SPFH betreut werden.





5.1 Übergangswohnung

 

Wenn das Ziel der Selbstständigkeit weitestgehend erreicht wurde, können die Mütter/Väter mit ihrem Kind nach Maßgabe der Hilfeplanung in die interne Übergangs-wohnung ziehen, die sich in unmittelbarer Umgebung der Einrichtung befindet (fußläufig erreichbar). Dabei handelt es sich um eine Träger eigene Wohnung.

Hier findet bereits eine zunehmend eigenverantwortliche Alltagsgestaltung statt. Es besteht noch ein Beratungsbedarf in Alltagsfragen, bei der Beziehungsgestaltung mit dem Kind oder beruflichen/schulischen Fragen, für die die Betreuer zur Verfügung stehen.

Auf dieser Basis wird dann das Ziel der vollständigen Verselbständigung der Klienten erreicht.





6. Pädagogisches Angebot und Methoden


Die sozialpädagogische Arbeit im Muki+ ist durch ein durchdachtes Betreuungssetting strukturiert, welches Lernen durch Alltagserfahrung mit Betreuung und Beratung sowie Bildungsangeboten rund um das Thema Kindererziehung verbindet. Die Stationen der Entwicklung der Klienten reichen dabei von dem betreuten Wohnen im Muki+ über das Wohnen in einer Satellitenwohnung, in der noch eine Begleitung stattfindet, bis hin zur Verselbständigung.





6.1 Alltagsgestaltung und sozialpädagogische Betreuung in den Trainingswohnungen, Lernen am Modell


In den Wohngemeinschaften erfahren die Klienten einen strukturierten und begleiteten Tagesablauf, der die Mütter/Väter entlastet, wenn sie noch nicht zur Selbstorganisation in der Lage sind. Der gemeinsam mit den Betreuern aufgestellte Haushalts- und Aktivitätenplan stabilisiert die Mütter/Väter und bildet den Rahmen für das Erlernen wichtiger Alltagskompetenzen. In der Gemeinschaft gibt es neben der Versorgung des eigenen Kindes und sich selbst auch Gemeinschaftsaufgaben, die übernommen werden müssen. Um das Einhalten des Aktivitätenplans zu gewährleisten werden immer wieder Einzelgespräche geführt, in denen Ziele überprüft und Lernprozesse reflektiert werden können. Routinehandlungen werden verinnerlicht. Die Klienten erhöhen zudem ihr Durchhaltevermögen und erledigen Alltagsarbeiten mit der Zeit immer zielgerichteter.

Ein weiteres Lernfeld bietet das gemeinsame Wohnen mit einer Mitbewohnerin mit Kind bzw. einem Mitbewohner mit Kind. Die ähnliche Situation lässt Gespräche entstehen, die zur Erfahrung authentischer Kommunikation führen. Kompromisse müssen geschlossen und Konflikte bewältigt werden. Eine Steigerung der sozialen Kompetenz ist die Folge.

Der Tagesablauf ist von Aktivitäten, Hausarbeiten, gegebenenfalls Schulbesuch oder Ausbildung geprägt und enthält auch besondere Förder- und Weiterbildungsangebote, die in den Gemeinschaftsräumen des Hauses durchgeführt werden.

Der Einsatz des pädagogischen Fachteams bei der Begleitung der Klienten im Alltag stellt die Methode des „Lernen am Modell“ dar. Die BetreuerIn werden als verlässliche und verbindliche Begleiter im Alltag wahrgenommen, ebenso ihr Verhalten und Tun in bestimmten Situationen, so dass die Klienten am Modell „MitarbeiterIn“ lernen können. Der modellhafte Charakter unseres Handelns und die Verantwortung, die sich daraus ergibt, sind den Fachkräften jederzeit bewusst und werden konzeptionell eingesetzt.





6.2 Intensive Einzelgespräche und Beratung


Die Einzelgespräche werden täglich geführt und haben die Beziehung und Bindung der Mutter/des Vaters zum Kind zum Inhalt. Ziel ist hier ein Selbstreflexionsprozess: Dem Elternteil soll bewusst werden, wie wichtig seine Rolle und sein Verhalten dem Kind gegenüber ist, was das für die Entwicklung des Kindes bedeutet. Die Mutter/der Vater soll sich mit ihren individuellen Eigenschaften, vielleicht auch Einschränkungen, akzeptieren und dennoch der Entwicklung des Kindes gerecht werden. Die Einzelgespräche dienen auch der Stärkung einer vertrauensvollen Beziehung zu den Betreuern und der stetigen Feststellung und gegebenenfalls Veränderung des Hilfebedarfs.

Durch die intensive Begleitung des Elternteiles im Umgang mit dem Kind ist gewährleistet, dass Situationen, die das Kindeswohl gefährden könnten, vermieden und/oder frühzeitig erkannt und durch eine Intervention des pädagogischen Personals unterbunden werden können.

Unser systemischer Ansatz und die Biographiearbeit, die wir im Muki+ leisten, ermöglicht es, dass die Mutter/der Vater sich mit ihrem bisherigen Leben auseinandersetzt. Dabei spielt die Herkunftsfamilie eine entscheidende Rolle. Angestrebt ist eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Ursprungsfamilie. Nur so können langfristig übernommene Kommunikationsstrukturen und erfahrene Verhaltensmuster erkannt, bearbeitet und verändert werden. Selbsterfahrene prägende Einflüsse der Ursprungs- oder Pflegefamilie oder eines anderen Erziehungsumfeldes (z. B. Heimgruppe, Wohngruppe), die auf diese Art und Weise bearbeitet werden, müssen sich somit nicht zwingend in der Erziehung des eigenen Kindes negativ auswirken, sondern können vielmehr zu einer gesundeten Mutter-/Vater-Kind Beziehung führen.

In den Beratungssettings setzen wir – wenn der Einzelfall es erfordert – verschiedene Methoden der systemischen Beratung ein:

Mithilfe der Genogrammarbeit wird die Geschichte und Entwicklung einer Familie über mehrere Generationen dargestellt. Äußere Beziehungsstrukturen und Familienereignisse weisen eine bestimmte Struktur auf, so dass anamnestische Hypothesen aufgestellt und Handlungsansätze gewonnen werden können.

Die Methode der Timeline lässt die Klienten zunächst gedanklichen und emotionalen Abstand zum je gegenwärtigen Problemsystem gewinnen und erschließt so – ohne dass die pädagogischen MitarbeiterInnen explizite Vorgaben machen – eigenständige, kreative und zukunftsorientierte Problemlösungen. Lösungen gehen aus den Ressourcen des Klientensystems hervor.

Unsere Beratungsgespräche und Beratungssettings ermöglichen es, dass die Mutter/der Vater ein Bewusstsein über die „überlieferten“ Muster im Familiensystem gewinnt und an der Einübung anderer Sichtweisen und Kommunikationsmuster arbeitet. Problematische Glaubenssätze aus der Herkunfttsfamilie können hinterfragt und überwunden, neue Erfahrungen können gemacht werden.

Falls es notwendig und sinnvoll erscheint, das bisherige Lebensumfeld in einen Teil dieser Gespräche mit einzubeziehen, wird dies im Rahmen individueller Absprachen mit der betroffenen Mutter/Vater den vorhandenen Möglichkeiten entsprechend umgesetzt.




6.3 Betreuungsvermittlung und Betreuung in Überlassungssituationen für die Kinder



Weiterer Bestandteil unserer Betreuung in MUKI+ ist die Organisation und die Begleitung der kleinen Familiensysteme in alltagstaugliche Betreuungssettings für die Kinder. Wir kooperieren aus diesem Grund mit den städtischen Kindertagesstätten, wie auch mit denen anderer Träger, sowie mit Tagesmüttern in unserem Sozialraum.

In Überlassungssituationen, wie z.B. Therapieterminen, Arztbesuche und Behördengange der Mütter/Väter, aber auch in Krisen- und Überlastungssituationen werden die Kinder von unserem Team betreut. Ausgeschlossen hiervon sind längerfristige stationäre Aufenthalte in Krankenhäusern und Psychiatrien. In solchen Fällen organisieren wir andere, externe Betreuungsformen.





6.4 Nachtbereitschaft


Eine sehr große Belastung etwa zu Beginn der Mutterschaft/Vaterschaft stellen in aller Regel die Bedürfnisse des Säuglings in der Nacht dar. Die meisten Neugeborenen und Säuglinge, sowie sehr viele Kleinkinder wachen mehrmals in der Nacht auf und wollen zumindest in den ersten Monaten mit Nahrung versorgt werden, später dann eventuell auch nur beruhigt oder getragen werden. Die nächtlichen Störungen sind besonders für junge Eltern extrem belastend, da die Befriedigung des eigenen Bedürfnisses nach Schlaf der Bedürfnisbefriedigung des Kindes entgegensteht. Oft kommt es in den Nachtstunden deshalb zu einer psychischen, aber auch physischen Überforderung, die von den Betroffenen selbst nicht immer adäquat gelöst werden kann. Für diese Fälle steht eine Nachtbereitschaft zur Verfügung, die die jungen Frauen in der akuten Krisensituation vorrangig entlasten soll. Wenn möglich können zusammen mit der Betroffenen Strategien entwickelt werden, die zu einer spontanen Entlastung führen. Im weiteren Verlauf geht es darum, akute Krisensituationen zu vermeiden und die Frauen dahingehend zu stabilisieren, dass sie in der Lage sind, eine Überlastung frühzeitig zu erkennen, sich Entlastung durch außen zu verschaffen oder selbst Vorgehensweisen zu entwickeln, die eine Überlastung gar nicht erst zustande kommen lassen.

Schwierige Situationen, die schon während des Tages deutlich wurden, können mit einer Nachtbereitschaft zusätzlich beobachtet und überwacht werden.




6.5 Berufliche Orientierung


Die Mütter/Väter werden im Rahmen der Unterbringung in der stationären Mutter-/VaterKind-Einrichtung auch bei der schulischen und beruflichen Orientierung unterstützt und begleitet. Damit wird die sozialpädagogische Arbeit im Muki+ auch den gesetzlichen Anforderungen gerecht, denn § 19 SGB VIII sieht auch vor, dass während der Betreuung der Mütter/Väter in einer Wohnform eine schulische oder berufliche Ausbildung begonnen wird bzw. eine Berufstätigkeit aufgenommen wird.

Die Mütter/Väter werden dabei unterstützt, sich eine berufliche Perspektive aufzubauen. Das kann bedeuten, bestimmte Schulabschlüsse in den Blick zu nehmen oder sich für einen Berufsabschluss zu entscheiden. Durch Beratungsgespräche wird ein beruflicher Orientierungsprozess in Gang gesetzt und für unsere Klienten präsent gehalten. Wir beraten die Klienten individuell und berücksichtigen dabei vorhandene Schul- und Berufsabschlüsse bzw. berufliche Vorerfahrung. Die Mütter/Väter werden bei der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Elternschaft unterstützt und es werden Lösungen gefunden. Hintergrund unserer Beratungstätigkeit bildet die Erkenntnis, dass eine qualifizierte Berufsausbildung die Basis für eine spätere Berufs- und Lebenszufriedenheit legt.

Wir kooperieren aus diesem Grund mit der Arge, Schulen und überbetrieblichen Ausbildungsträgern.



6.6 Weiterbildungsangebote


Die pädagogischen Fachkräfte führen in den Gemeinschaftsräumen Bildungsangebote durch. Diese Bildungsangebote haben beispielsweise „gesunde Ernährung für Kinder“, oder Säuglingspflege oder auch „Verbesserung der Erziehungskompetenz“ sowie hauswirtschaftliche Themen zum Inhalt.

Neben dem täglichen, zum Teil begleiteten Kochen werden die Mütter und Väter durch eine qualifizierte pädagogische Mitarbeiterin bzw. Mitarbeiter im Bereich der theoretischen Grundlagen einer ausgewogenen Säuglings-, Kleinkind- und Erwachsenenernährung geschult. Für die Erwachsenen sollen die eigenen Essgewohnheiten aufgegriffen und ergänzt, bzw. abgewandelt werden, so dass diese mit dem Älterwerden der Kinder auch mehr und mehr Berücksichtigung in der gemeinsamen Ernährung finden können. Die Mütter/Väter erhalten regelmäßig die Möglichkeit zur theoretischen und praktischen Erprobung einer gesunden Ernährung für sich und ihr Kind, um nachhaltig gut für sich selbst und das Kind sorgen zu können.

Thema der Weiterbildungen ist auch der altersgerechte Umgang mit Säuglingen und Kleinkindern, sowie die Rolle von Bewegung für die Entwicklung der Kinder. Die Weiterbildungsangebote gehen dabei immer von den Bedürfnissen der Mütter/Väter aus und bieten Raum für Fragen und eigene Themenstellungen.


Eine besondere Bedeutung in den Weiterbildungsangeboten kommt auch der Säuglingspflege bzw. dem entwicklungsangemessenen Umgang mit Kleinkindern zu. Die Themen orientieren sich an dem jeweiligen Lebensalter der Kinder, die in der Einrichtung leben. Themen können beispielsweise sein: richtiges Halten eines Säuglings, Umgang mit Schreikindern, alternative Medizin bei Kindern, rechtzeitiges Erkennen von physiologischen Fehlentwicklungen, die Rolle von Bewegung bei Kindern, etc. Bei den Schulungen steht entsprechend den Bedürfnissen der TeilnehmerInnen die Praxistauglichkeit im Vordergrund. Die Mütter/Väter haben auch hier Gelegenheit, sich mit eigenen Fragen einzubringen und sich praktische Anregungen für den Alltag mit ihren Kindern zu holen.



6.7 Musische und Kreativangebote


Die pädagogischen Fachkräfte bieten im Muki+ für die Mütter und Väter musische und kreative Angebote an. Malen, Gestalten, künstlerisch „tätig sein“ fördert kreative Kompetenzen, entlastet von Problemen, fördert die Auseinandersetzung mit sich selbst und die Entwicklung eines positiven Selbstbildes und erschließt dabei neue Freizeitmöglichkeiten.




6.8 Gruppenaktivitäten und gemeinsame Freizeitgestaltung


Gerade für die Zielgruppe der Mütter/Väter mit Bedarf an Nachreifung und Erhöhung der Alltagskompetenz ist es wichtig, die oftmals vorhandene soziale Isolation aufzuheben und neue soziale Kontakte und Aktivitäten zu erschließen. Daher gehört zu unseren zentralen Methoden auch die Vernetzung mit sozialräumlichen Angeboten für Mutter/Vater und Kind. Der gemeinsame Besuch von Veranstaltungen zur Öffnung der Klienten für das soziale und kulturelle Leben und Erweiterung ihres sozialräumlichen Aktionsradius.

Grundsätzlich wird bei den Gruppenaktivitäten von den Betreuern Beziehungsarbeit geleistet, durch situationsorientierte Intervention wird die soziale Integration der Klienten gefördert. Die Gruppe ist ein ideales Lernfeld für soziales Lernen und die Persönlichkeitsentwicklung. Methoden, wie die themenzentrierte Interaktion fördern die Autonomie des einzelnen Klienten im Rahmen der Gruppe.

Einmal wöchentlich findet ein durch die Betreuer begleitetes gemeinsames Kochen zur Erlangung einer Routine in diesem Bereich statt.

Ein ebenfalls wöchentlich stattfindendes offenes Mütter/Väter-Café und ein gemeinsames Frühstück in den Gemeinschaftsräumen der Einrichtung bieten weitere schöne Gemeinschaftserfahrungen.

Jährlich eine mehrtägige Mütter/Väter Freizeit, sowie monatlich eine Wochenendveranstaltungen und –ausflüge ergänzen das Freizeitangebot, fördern soziale Kompetenzen und helfen bei der Entwicklung der eigenen Freizeitgestaltung.


Die freizeitpädagogische Komponente ist wichtig, da die Elternrolle ein Umdenken und hohe Flexibilität nicht nur im Bereich der Alltagsplanung, sondern auch in der Gestaltung der Freizeitaktivitäten erfordert.

Gefühlen wie, „gar nichts mehr ohne Kind machen zu können“ oder „überhaupt nichts eigenes mehr zu haben“ müssen ausgesprochen werden können. Eine gemeinsame Freizeitplanung und organisierte Angebote durch die Einrichtung sollen die Mutter/Vater zuerst entlasten und im weiteren Prozess selbst befähigen, die Bedürfnisse des Kindes, die in der ersten Zeit nun mal im Vordergrund stehen, und die eigenen Bedürfnisse sinnvoll miteinander zu verknüpfen und geeignete Freizeitaktivitäten zu planen und auch durchzuführen.



6.9 Aufbau eines sozialen Netzwerkes


Im Zusammenhang mit einer Orientierung im Sozialraum ist es wichtig, dass sich die Mütter/Väter ein soziales Netzwerk aufbauen. Der Aufbau eines eigenen sozialen Netzwerkes ist notwendig, damit die BewohnerInnen zukünftig in der Lage sind, das eigene Leben mit Kind auch ohne ein dauerhaftes Betreuungssetting zu meistern. Ein erster Schritt ist, zusammen mit der BewohnerIn alle Personen zu ermitteln, die ihr wichtig sind, mit denen sie weiterhin Kontakt haben möchte oder muss, die an der Betreuung ihres Kindes beteiligt sein sollen oder auch müssen.

Die pädagogischen Fachkräfte unterstützen die Mutter/den Vater bei der Erarbeitung eines sozialen Netzwerkes, das sowohl den Bedürfnissen des Kindes als auch den Bedürfnissen der Mutter/des Vaters gerecht wird.

Das Netzwerk wird schließlich auch in der Realität erprobt und gegebenenfalls den Erfahrungen entsprechend verändert.











6.10 Videounterstützte Entwicklungsbeobachtung


Wenn von den Müttern und Vätern gewünscht und nach Maßgabe der Hilfeplanung, können Mütter/Väter und ihre Kinder in definierten Abständen im Umgang miteinander oder in Spielsituationen per Video beobachtet werden, hierbei handelt es sich nicht um ein Zusatzangebot.

Dabei lassen wir uns von der Methode „Marte Meo“ inspirieren. Das Video wird unter entwicklungspsychologischen und interaktiven Aspekten ausgewertet und entsprechend dokumentiert. In anschließenden Auswertungsterminen mit der Mutter/dem Vater können sich diese selbst auf dem Video wahrnehmen und aus anderen Perspektiven und Ebenen beobachten und einschätzen. Dabei bietet das Video vielfältige Möglichkeiten:

• Beobachten des eigenen Verhaltens aus einer anderen Perspektive

• Wahrnehmen der Impulse des eigenen Kindes und dessen Verhalten in unterschiedlichen Situationen ohne selbst in der Interaktion mit diesem sein zu müssen

• Mehrfaches Anschauen derselben Situation

Der regelmäßige Einsatz von videounterstützter Beobachtung ermöglicht auch einen Vergleich zu bisherigen Verhaltensweisen, dokumentiert die Entwicklungsschritte, macht Ressourcen und nötige Entwicklungsschritte der Mutter und des Kindes deutlicher und bietet letztendlich die einmalige Chance für Mutter und Kind, ein Stück ihres gemeinsamen Lebens festgehalten zu haben. Wir beabsichtigen eine Kopie der Aufnahme den Müttern/Vätern und ihren Kindern zur Verfügung zu stellen.



6.11 Sicherstellung sozialrechtlicher Ansprüche


Die Klientinnen sollen dem persönlichen Bedarf entsprechend eine angemessene Unterstützung bei der Beantragung von Unterhaltsgeldern, Kindergeld, Erziehungsgeld erfahren. Falls die finanzielle Situation der Klientin eine individuelle Schuldenregelung oder die Mithilfe der Schuldnerberatung erfordert, werden der Betroffenen auch in diesem Bereich adäquate Hilfen oder Unterstützung angeboten.

 


6.11.1 Persönliche Finanzplanung


Die Veränderung der Familienverhältnisse erfordert bei den Betroffenen auch ein Umdenken in der individuellen Finanzplanung. Mussten die Betroffenen vorher nur für sich selbst sorgen, haben sie nun auch die finanzielle Verantwortung für das Kind und sich zu tragen.

Den BewohnerInnen stehen nur begrenzte finanzielle Mittel zur Verfügung, so dass dem Bereich der persönlichen Finanzplanung hinreichend Aufmerksamkeit geschenkt werden muss.

Dazu gehören entsprechend dem persönlichen Hilfebedarf angepasst:

 

• Unterstützung bei der Kontoführung

• Anlegen und Verwaltung einer Haushaltskasse

• Detaillierte und individuelle Einkaufsplanung

 

Ziel des Prozesses ist auch hier eine Verselbständigung der Mutter/des Vaters mit dem Anspruch, in künftigen Lebenslagen gut für sich selbst und das Kind/die Kinder sorgen zu können.



6.12 Integration des Elternteiles, das nicht in der Einrichtung lebt


Der Vater/die Mutter ist ein wichtiger Bestandteil im Leben eines Kindes. Die Beziehungen der BewohnerInnen zu den anderen Elternteilen ihrer Kinder ist erfahrungsgemäß oft mit großen Schwierigkeiten verbunden. Dies ist mit ein Grund, den nicht in der Hauptsache erziehenden Elternteil nicht in die zentrale Mutter-/Vater-Kind-Einrichtung mit aufzunehmen. Dennoch möchten wir sie mit gemeinsam vereinbarten Besuchsregelungen in das Leben der BewohnerInnen integrieren.

In Einzelfällen und nach Absprache mit den pädagogischen MitarbeiterInnen und den entsprechenden Jugendhilfediensten ist es möglich, dass in den Trainingswohnungen auch die jeweiligen Partner die Möglichkeit haben, dort in einer abgesprochenen Frequenz zu übernachten.



7. Werte und Grundhaltung


Dem pädagogischen Angebot liegen ganz bestimme Werte und Haltungen zugrunde, die für unsere Arbeit leitend sind und über die wir uns in Leitung und Team immer wieder verständigen.

Die Arbeit des pädagogischen Fachteams ist von einer systemischen Grundhaltung geprägt. Wertschätzung gegenüber Menschen, in ihrer individuellen Lebenssituation, ist uns ein großes Anliegen. Wir vermeiden es, den Klienten ihre Problemlagen und Entwicklungsdefizite nur individuell zuzuschreiben, sondern erkennen in den individuellen Symptomen den Ausdruck von Familiensystemen und sozialen Strukturen, die oft schon seit langer Zeit Problemkreisläufe produzieren. Wir betrachten den Klienten in seiner Gewordenheit und Biographie, ermutigen ihn aber auch dazu, für seinen weiteren Lebensweg Selbstverantwortung zu übernehmen.

Dabei haben wir im Sinne der systemischen Haltung nicht den Anspruch, ein bestehendes Familiensystem bzw. die verinnerlichten familiären Vorerfahrungen des Klienten ganz zu verstehen, sondern wir regen die Selbstheilungskräfte des Klientensystems an. Der Klient ist selbst Experte für die Lösung seiner Probleme.

Die Haltung der respektvollen Neugier erfahren unsere Klienten als sehr wohltuend. Die Klienten erfahren, dass sich die Betreuer für ihre Gedanken und Gefühle interessieren und zugleich den Problemen gegenüber eine gewisse Neutralität einnehmen. Die Mütter/Väter fühlen sich gesehen und geachtet. Die Erfahrung, auf diese Art wahrgenommen zu werden, wirkt sich sehr positiv auf das Verhältnis der Elternteile zu ihrem Kind aus.

Wir verstehen zudem unsere sozialpädagogische Arbeit als einen Beitrag zur Herstellung von Chancengleichheit für sozial benachteiligte Klienten und orientieren uns am Inklusionsbegriff im Sinne einer Teilhabe an gesellschaftlichen Gütern für alle Mitglieder der Gesellschaft, wie etwa Arbeit, Bildung und Kultur. Dabei haben wir auch die Kinder im Blick, deren Entwicklungsmöglichkeiten sich durch die Arbeit mit den Eltern verbessern.

Aufgrund der Genderorientierung unserer sozialpädagogischen Arbeit sind wir der Meinung, dass „Mütterlichkeit“ und „Väterlichkeit“ nicht unbedingt mit klassischen Geschlechterkonstruktionen und Geschlechterstereotypen einhergehen müssen. Die Genderorientierung leitet uns auch dann, wenn es etwa um die Berufsberatung der Bewohner geht. In der sozial-pädagogischen Arbeit erkennen wir Klienten aus verschiedenen Herkunftskulturen alle gleichermaßen an, respektieren aber auch kulturelle Besonderheiten und sind dafür sensibel.



8. Beteiligung und Beschwerdeverfahren:


Das Teilhabe- und Beschwerdemanagement ist Teil der Gesamtkonzeption des VfE Mengede.



9. Kooperationen


Die sozialpädagogische Arbeit im Muki+ bringt die unterschiedlichsten Kooperationen mit anderen Beteiligten mit sich. Im Sinne der Qualitätsentwicklungen versuchen wir die Kommunikation mit diesen anderen Akteuren möglichst routiniert und effektiv zu gestalten.


Kooperationen finden statt mit:


  • Jugendhilfediensten

  • Kinderarztpraxen

  • Therapiepraxen

  • Beratungsstellen

  • Kliniken

  • niedergelassenen Hebammen und Familienhebammen

  • Familienbüro, Kindertagesstätten und Familienzentren

  • gesetzlichen Betreuern

  • Ausbildungsträgern,Schulen

  • Schuldnerberatung/ Intern/extern

  • ARGE und Sozialamt

  • Polizei

  • Vereine



10. Personelle Ausstattung, Arbeit im Team und Fortbildung


Das Team besteht aus 5 MitarbeiterInnen, und zwar:

SozialarbeiterInnen, ErzieherInnen und eine Dipl. Heilpädagogin und Motopädin, eine heilpädagogischen Diagnose kann in so fern nach Maßgabe der Hilfeplanung erfolgen.

Die MitarbeiterInnenInnen verfügen über folgende Zusatzqualifikationen:


  • systemische Beratung/systemische Pädagogik,

  • Marte Meo

  • Säuglingspflege,

  • Traumapädagogik,

  • § 8a Ausbildungen,(Kinderschutzfachkraft)



11. Rahmenbedingungen, Belegung, Betreuungsschlüssel


Anzahl der Plätze:

4 Plätze für kleine Familiensysteme mit alleinerziehenden Elternteilen

Betreuungsschlüssel: 1:1,6 5 mal 1/1 Stelle


Das pädagogische Personal ist rund um die Uhr in den Räumlichkeiten im Muki+ in der Martener Str. 393 präsent. Die Betreuung und Aufsicht wird in 24 Stunden Rolldiensten, Zwischendiensten und anwesenden Nachtbereitschaften gewährleistet.





12. Beendigung des Hilfeangebots und Anschlussbetreuung


Unser Hilfeangebot sollte beendet werden, wenn..

- die Ziele gem. Hilfeplanung erreicht worden sind.

- es von den Betroffenen nicht mehr gewünscht, und die notwendige Mitwirkung

nicht/mehr erbracht wird.

- sich das Hilfeangebot als nicht ausreichend erweist und andere Angebote gesucht

werden müssen.

Eine Anschlussbetreuung ist lt. Maßgabe der Hilfeplanung möglich, z.B. gem. § 31 SGB VIII (SPFH), und wird durch das Fachteam „mobile Dienste“ des VfE Mengede erbracht.